Ausstellung mit Originalfunden
In einer eigenen Ausstellung zeigt die Außenstelle besondere archäologische Funde aus den letzten zwei Jahren. Dazu zählt auch ein römischer Brunnen aus dem 2. bis 3. Jahrhundert n. Chr., der die Menschen auf einem Gutshof bei Kerpen-Manheim mit Wasser versorgte. Das Besondere: Der 18 Meter tiefe Brunnen bestand aus Steinblöcken, die mit circa 40 Tonnen ein beeindruckendes Gesamtgewicht aufweisen. Da der Brunnen im Braunkohlenrevier bis auf seine Sohle untersucht werden konnte, also bis auf seinen Boden, können die Archäolog*innen des LVR-ABR seine Bau- und Nutzungsgeschichte detailliert rekonstruieren. Ausschnittsweise wurde ein Teil des Steinkranzes, der steinernen Seitenwände des Brunnens, im Innenhof der Außenstelle als Rekonstruktion wieder aufgebaut.
Auf die Besuchenden warten in der Ausstellung aber auch noch andere Highlights: geschliffene, jungsteinzeitliche Beile aus Feuerstein (4300–3500 v. Chr.), Fragmente von Salzröhrchen (Briquetage) zum Transport von Salz aus einer eisenzeitlichen Siedlung (600–15 v. Chr.), ein Inschriftenstein und weitere tonnenschwere Bauteile eines großen römischen Grabmals, prachtvolle Beigaben aus verschiedenen römischen Brandbestattungen (3. Jahrhundert n. Chr.) sowie Ausrüstung und persönliche Gegenstände der Besatzung eines abgestürzten britischen Bombers aus dem Zweiten Weltkrieg.
Spannende Forschungsprojekte
Neben der Ausstellung präsentieren auch um die 20 Forschende ihre spannenden Projekte zu Funden aus dem Vorfeld der Tagebaue, die einen einzigartigen Blick in die Vergangenheit ermöglichen. Denn kaum zu glauben, aber tatsächlich möglich: Auf 7.000 Jahre alten Mahlsteinen ist es gelungen auch heute noch Reste von Pflanzenstärke zu finden. Nach deren Analyse zeigt sich, dass auf diesen Steinen interessanterweise nicht nur Getreide, sondern auch Hülsenfrüchte und Wildpflanzen verarbeitet wurden. Auf kaum Sichtbares fokussiert sich auch ein anderes Projekt: Anhand von mikroskopisch kleiner Gebrauchsspuren gelang es herauszufinden, für welchen Zweck individuelle Steinwerkzeuge verwendet wurden – zum Beispiel für die Holzbearbeitung, für das Glätten von Fellen und für die Getreideernte. Eine bioarchäologische Studie fragt dagegen, was uns Knochen über die Herkunft, Mobilität und Ernährung der Menschen im Frühmittelalter sagen können. Über diese und viele andere herausragende Forschungsprojekte, die von der Stiftung zur Förderung der Archäologie im rheinischen Braunkohlenrevier gefördert werden, können sich alle Interessierten beim Tag der Archäologie ausführlich informieren lassen.
Buntes Programm
Darüber hinaus kommen Klein und Groß auch bei einem reichhaltigen Mitmach- und Vorführprogramm auf ihre Kosten. Kinder können bei einer eigenen kleinen Ausgrabung die Kelle in die Hand nehmen und nach Funden suchen. Außerdem gibt es die Gelegenheit selbst Keramik zu töpfern, römischen Schmuck zu basteln und an einer Kinderrallye teilzunehmen. Für die Großen – und auch Kleinen – gibt es unterschiedliche Handwerksvorführungen: vom römischen Knochenschnitzer und mittelalterlichem Töpfer sowie vom Schmied und Imker bis hin zum sogenannten Steinschläger, der zeigt wie Werkzeuge aus Feuerstein hergestellt wurden. Außerdem kann Fachleuten beim Durchführen archäologischer Experimente über die Schulter geschaut werden, beispielsweise wie sie das urgeschichtliche Kochen auf heißen Steinen ausprobieren. Gut bewacht werden Archäolog*innen und Handwerker*innen dabei übrigens von einer Reenactment-Gruppe, die römische Hilfstruppen aus der frühen Kaiserzeit darstellt.
Auch in diesem Jahr gibt es wieder einen besonderen Höhepunkt: Mit einem kostenfreien Pendelbus ist die Ausgrabung eines mittelalterlichen bis neuzeitlichen Rittersitz beim Tagebau Hambach besuchbar. Vor Ort führen Archäolog*innen über die Grabungsfläche und erklären die freigelegten Befunde.
Und natürlich kommt auch das leibliche Wohl nicht zu kurz. Geboten werden Kalt- und Heißgetränke, Kuchen, Gegrilltes und besonders lecker: Pizza aus dem Lehmbackofen und ein Eintopf nach römischem Rezept.
Anfahrt
LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland
Außenstelle Titz
Ehrenstr. 14-16
52445 Titz-Höllen