Story: Benjamin bereitet sich auf den Berufseinstieg vor

Wie Benjamin Bruß in den Lebenshilfe Werkstätten Aachen den Schritt Richtung erster Arbeitsmarkt vorbereitet

Bild Kathleen Bayer / Lizenz LVR

Wenn Benjamin Bruß morgens an seinem Arbeitsplatz startet, geht es für ihn schnell zur Sache. Paletten kontrollieren, Ware bereinigen, Bestelllisten prüfen, den Arbeitsplatz sauber halten – und immer wieder ein Blick darauf, ob alles stimmt. „Ich kontrolliere gerne die Bestelllisten und vergleiche, ob die Ware da ist oder nicht“, sagt der 26‑Jährige. „Und ich mag, dass ich hier immer was Neues lernen kann.“ Benjamin Bruß arbeitet in den Lebenshilfe Werkstätten in Aachen in der Konfektionierung für einen Süßwarenhersteller, genauer gesagt auf dem sogenannten „Marktplatz“. Dort kommt Ware aus anderen Bereichen an, die geprüft und für die Einlagerung vorbereitet wird. Was für Außenstehende nach Routine klingt, ist für den jungen Mann ein wichtiger Schritt: Er möchte sich für den allgemeinen Arbeitsmarkt qualifizieren – am liebsten für eine Tätigkeit im Lager.

Bild von Benjamin Bruß
Benjamin Bruß ist auf dem Weg, sein Ziel zu erreichen.

Der Weg in die Werkstatt

In der Werkstatt arbeitet Benjamin Bruß seit 2019. Den Berufsbildungsbereich hat er zunächst woanders begonnen und bei den Lebenshilfe Werkstätten beendet. „Ich habe mir damals auf YouTube den Film zur Werkstatt zusammen mit meiner Freundin angeguckt“, erzählt er. „Und das hat mir sehr gefallen.“ Sein Start ins Arbeitsleben war nicht immer einfach. Er war auf einer Schule für den Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung und kam über diesen Weg zuerst in eine andere Werkstatt.Als er zu den Lebenshilfe Werkstätten kam, war er anfangs zunächst in einem anderen Bereich eingesetzt – doch auch das funktionierte nicht sofort. „Ich habe viel gefehlt.“ Der Wendepunkt kam, als er in eine neue Gruppe wechselte – und dort Menschen traf, die ihm Stabilität und Orientierung gaben.

Lernen mit Unterstützung

Benjamin Bruß beschreibt sehr klar, was ihm geholfen hat, dranzubleiben: eine Gruppenleitung,die sich Zeit nimmt, Dinge erklärt und ihn dabei unterstützt, selbstständiger zu werden. „Mein Gruppenleiter hat immer gute Laune“, sagt er. „Er zeigt uns viel, nimmt sich Zeit. Von ihm habe ich sehr viel gelernt.“ Benjamin Bruß ist auf dem Weg, sein Ziel zu erreichen. Auch schwierige Phasen konnten so aufgearbeitet werden. „Mir wurde am Anfang ein Aggressionstrainer zur Seite gestellt und ich habe viel aufgearbeitet“, erzählt er. Für ihn war das wichtig, um wieder Vertrauen in sich selbst zu gewinnen – und um einen Weg zu finden, mit Herausforderungen besser umzugehen. Sein Gruppenleiter Michael Hensellek fasst die Entwicklung so zusammen: „Der Übergang gelingt nicht durch einen einzigen großen Schritt, sondern durch viele kleine: Verlässlichkeit, Durchhalten,sich selbst organisieren. Benjamin arbeitet genau daran – und wir begleiten ihn eng dabei, damit er
möglichst viel selbstständig kann, aber nie allein gelassen wird.“

Vielfältige Aufgaben – und klare Ziele

In der Konfektionierung übernimmt Benjamin Bruß mehrere Aufgaben: Er bereinigt Ware, kontrolliert Paletten, gibt Lagerware frei, sorgt für Ordnung und arbeitet an der Müllpresse. „Hier bereinige ich die Ware, die aus den anderen Hallen kommt, damit sie korrekt im Lager eingelagert werden kann“, erklärt er. „Ich kontrolliere, ob alles richtig ist.“ Besonders gerne arbeitet er mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Lager zusammen. „Meine erfahreneren Kollegen versuchen, mir immer viel zu erklären“, sagt er. „Das finde ich gut.“ Neben seiner Tätigkeit in der Konfektionierung hat Benjamin Bruß auch praktische Erfahrungen außerhalb der Werkstatt gesammelt. Ein Praktikum im Lager eines Möbelhauses ist ihm besonders in Erinnerung geblieben – weil er dort aktiv mit anpacken konnte.Auch das zeigt: Er kennt die Arbeitswelt außerhalb der Werkstatt bereits – und weiß, was ihm liegt.„Ich brauche immer was zu tun“, sagt er. Leerlauf passt nicht zu ihm.

Schritt für Schritt Richtung erster Arbeitsmarkt

Aktuell nimmt Benjamin Bruß an einem Zertifikatslehrgang teil, um sich gezielt auf den Übergang in den allgemeinen Arbeitsmarkt vorzubereiten. Dort geht es um wichtige Grundlagen: sauberes Arbeiten, Mülltrennung, Ordnung am Arbeitsplatz – und darum, Arbeitsabläufe zu verstehen und sicher umzusetzen. „Der Lehrgang hilft mir, dass ich gut mit meiner Arbeit umgehen kann“, sagt er. „Ich lerne zum Beispiel, wie ich meinen Arbeitsplatz sauber verlassen kann und warum das wichtig ist.“ Sein Ziel ist klar: „Ich will meinen Lehrgang abschließen und auf den ersten Arbeitsmarkt möchte ich“, sagt er. „Ich möchte in einem Lager arbeiten, das umsetzen, was ich gelernt habe, und meinen Führerschein möchte ich auch noch machen. Einfach selbstständig sein – am besten auch ohne Betreuer.“

Bild: Kathleen Bayer / Lizenz LVR
Mit einem Zertifikatslehrgang erwirbt Benjamin Bruß aktuell wichtige Qualifikationen für den Wechsel auf den allgemeinen Arbeitsmarkt.

„Man braucht keine Angst zu haben“

Was Benjamin Bruß anderen raten würde, die unsicher sind, ob sie ein Praktikum oder einen Wechsel wagen sollen? Er antwortet ohne zu zögern: „Man braucht keine Angst davor haben, ein Praktikum zu machen oder vor Fehlern. Ich hatte damals Angst, weil ich dort niemanden kannte. Aber die Angst war schon am zweiten Tag weg.“

Benjamin Bruß ist auf dem Weg – Schritt für Schritt, mit Unterstützung und mit dem festen Willen, sein Ziel zu erreichen. Und sein Porträt macht Mut: Entwicklung ist möglich. Und der erste Arbeitsmarkt kann ein realistisches Ziel sein – wenn Menschen individuell begleitet werden und die Chance bekommen, sich in ihrem Tempo weiterzuentwickeln.