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Aktuelles

Coronavirus: Die aktuelle Lage für Jugendämter

Unter nachfolgendem Link bündelt das LVR-Landesjugendamt Rheinland die wichtigsten Informationen und Dokumente zur aktuellen Lage Rund um das Coronavirus aus dem Bereich Jugendämter.

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Starke Wirtschaft, arme Kinder?

Auf einem Fachtag in Leverkusen diskutierten Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe, wie die Folgen von Kinderarmut vor Ort abgemildert werden können.

Von Natalie Deissler-Hesse

Wem fällt nicht die chemische und pharmazeutische Industrie ein, wenn er Leverkusen hört? Auch wenn die Kommune mit wirtschaftlichen Schwergewichten punktet – wer beim Thema Kinderarmut die Lupe anlegt, sieht schnell, dass hier noch Handlungsbedarf besteht: Über 22 Prozent der Kinder und Jugendlichen leben in einem Haushalt, der auf finanzielle Unterstützung angewiesen ist. In einzelnen Stadtteilen erreicht dieser Anteil sogar bis zu 50 Prozent.

Die Kommune hat sich der Herausforderung Kinderarmut gestellt und gemeinsam mit der Koordinationsstelle Kinderarmut des LVR-Landesjugendamts Rheinland (LVR) und dem Netzwerk Kinderarmut in Leverkusen einen Fachtag ins Leben gerufen. In Vorträgen und Interviews sowie in Diskussionen und Gruppenarbeiten setzten sich Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe intensiv mit dem Thema Kinderarmut auseinander.

Leverkusen sensibilisiert die Öffentlichkeit

Großen Wert legt die Stadt auf die Armutssensibilisierung. Insbesondere das Netzwerk Kinderarmut macht sich dafür stark, das Thema Kinderarmut in die breite Öffentlichkeit zu tragen, so auch auf dem Fachtag. Unbürokratische und niederschwellige Angebote wie Mahlzeiten für bedürftige Kinder und Jugendliche konnte das Netzwerk Kinderarmut in Leverkusen fest etablieren. An der stadtweiten Essensversorgung nehmen aktuell rund 15 Kinder- und Jugendeinrichtungen teil, die Nachfrage bleibt hoch.

Die Umsetzung der Kommunalen Präventionsketten in Leverkusen erläuterte Koordinatorin Eileen Janßen: Der Fachbereich Kinder und Jugend will vorhandene Angebote ausbauen und Angebotslücken identifizieren, um die Präventionselemente besser aufeinander abstimmen zu können. Die Angebote sollen transparenter gestaltet und sowohl den Fachkräften als auch perspektivisch den Bürger*innen besser zugänglich gemacht werden.

"Weg von der Gießkanne hin zur Lupe"

Aus wissenschaftlicher Sicht beleuchtete Referentin Nora Jehles das Thema Kinderarmut. Die Referentin hatte gemeinsam mit Kolleg*innen in Mülheim/Ruhr ermittelt, dass insbesondere Kinder von hatte Alleinerziehenden und Eltern mit niedrigem Bildungsabschluss von Armut betroffen sind. Dies gelang mithilfe eines zusätzlichen Fragebogens im Zuge der Schuleingangsuntersuchung. Jehles appellierte an die Teilnehmenden, auch in Leverkusen auf die konkreten Bedarfe der Kinder zu schauen und dort mit Hilfsangeboten anzusetzen. Deutlich wurde auch, dass die Mitgliedschaft im Sportverein und ein früher Kitabesuch kompensatorische Effekte haben. Durch Sportlotsen an Kitas und Grundschulen oder kostenlose Sportgutscheine können die Zielgruppen beispielsweise angesprochen werden.

Individuum statt Härtefall

Im Interview mit der als Kind von Armut betroffenen und heutigen Jura-Studentin Julia Schmid wurde deutlich, wie eine Heranwachsende in einer prekären Lebenslage unterstützt werden kann. Die Studentin berichtete von Schlüsselpersonen, die sie an die Hand genommen und an sie geglaubt hatten. Nur einzelne Fachkräfte ließen sich seinerzeit darauf ein, die Jugendliche als Individuum mit eigenen Bedürfnissen und Zielen wahrzunehmen. "Je jünger man ist, desto mehr ist man auf Menschen angewiesen, die an einen glauben", erinnert sich Schmid. Der ressourcenorientierte Blick stärkte das Mädchen in ihrem Vorhaben, Juristin zu werden und ebnete ihr den Weg aus der Armut.

Willkommenshaltung einnehmen und gemeinsame Plattform schaffen

In der anschließenden Diskussion wurde der stetige Einsatz der Fachkräfte gegen Kinderarmut und die Offenheit für neue Ideen deutlich: Konsens herrschte darüber, den von Armut betroffenen Familien wertschätzend und auf Augenhöhe zu begegnen. Bemängelt wurde hingegen eine fehlende Übersicht über alle zur Verfügung stehenden Hilfsangebote. Hier wurde mehrfach der Wunsch nach einer gemeinsamen Plattform laut. Fest im Blick hatten die Fachkräfte funktionierende Angebote und Projekte anderer Kommunen, deren Ansätze auch in Leverkusen Kinderarmut lindern könnten.

Ziel des Fachtags: Teilhabe ermöglichen

"Der Fachtag hat gezeigt, wie wichtig es ist, Teilhabe sowohl in Regelinstitutionen als auch in der Freizeit zu ermöglichen, um den Auswirkungen von Armut entgegenzuwirken", resümiert Michael Küppers, Jugendhilfeplaner und stellvertretender Fachbereichsleiter Kinder und Jugend. Er appellierte an die Teilnehmenden, die gewinnbringende Arbeit auch in Zukunft fortzusetzen und weiter auszubauen.

Auch wenn in Leverkusen auf den ersten Blick die Wirtschaft im Mittelpunkt steht: in Armut aufwachsende Kinder werden nicht vergessen.

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Wer sucht, findet nicht nur das Gesuchte

Teilnehmende Kommunen am Projekt Monitoring kommunaler Präventionsketten. Von links: Barbara Jerg (Kerpen), Heiko Brodermann (Nettetal), Britta Fuchs (Bergheim).
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Teilnehmende Kommunen am Projekt "Monitoring kommunaler Präventionsketten": Von links: Barbara Jerg (Kerpen), Heiko Brodermann (Nettetal), Britta Fuchs (Bergheim).

Die Jugendämter dreier LVR-Partnerkommunen ließen sich auf das Abenteuer ein, praxisnahe Monitoringinstrumente zu entwickeln, um die Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen transparenter zu machen. Auf ihrer Reise brachten sie spezifische Hinweise auf die Wirkung kommunaler Präventionsketten ans Licht.

Von Natalie Deissler-Hesse

Eigentlich auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien entdeckte Christoph Kolumbus Amerika. Bei einem Experiment mit Krankheitserregern fand der Mikrobiologe Alexander Fleming zufällig einen Schimmelpilz, das spätere Penicilin. Zwar nicht von globaler Bedeutung, aber zentral für den Ausbau kommunaler Präventionsketten: Bei dem anspruchsvollen Vorhaben, positive Effekte sozialer Arbeit zu belegen, gelang es drei Kommunen, anhand von einzelnen, ausgewählten Indikatoren bemerkenswerte Befunde zu ermitteln. Diese liefern wertvolle Hinweise auf den Erfolg und die Wirkung von Präventionsangeboten und legen Bedarfe offen.

Mit wirkungsorientiertem Blick Schätze heben

In dem Abschluss-Workshop des LVR-Projekts „Monitoring kommunaler Präventionsketten“ präsentierten Bergheim, Kerpen und Nettetal jüngst ganz unterschiedliche, jedoch kleine, wertvolle Schätze. Umgesetzt wurde das Projekt von der LVR-Koordinationsstelle Kinderarmut und der Fachberatung Jugendhilfeplanung mit Mitteln der Auridis Stiftung. Es ist Teil des LVR-Programms "Teilhabe ermöglichen – Kommunale Netzwerke gegen Kinderarmut".

Rund zweieinhalb Jahre setzten sich die Partnerkommunen intensiv mit den Möglichkeiten und Grenzen des Monitorings auseinander. Basis für die Annäherung an die Wirkung von Präventionsketten waren quantitative und qualitative Erhebungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten in eingegrenzten Sozialräumen. Ihre Schwerpunkte wählten die Kommunen selbst.

Kleinod der Kreisstadt Bergheim: Die Netzwerkkarte

Die Kreisstadt Bergheim stellte die Ergebnisse des Sozialraummonitorings aus quantitativen und qualitativen Daten im Stadtteil Ahe vor. Insbesondere die Gruppeninterviews mit Fachkräften und Jugendlichen, die die Bedarfe aus ihrer Sicht schilderten, erwiesen sich für die qualitative Datenlage als weiterführend. Als hilfreiches und nützliches Kleinod des Monitorings erwies sich die Entwicklung einer Netzwerkkarte, die die Akteur*innen der Präventionskette abbildet. Diese verdeutlichte einerseits Strukturen, Qualitäten und Funktionen und legte andererseits fehlende Übergänge offen.

Perle der Kolpingstadt Kerpen: Auswertung der Babybegrüßungsbesuche

Die zentrale Fragestellung der Kolpingstadt Kerpen lautete: Entsprechen die Präventionsangebote für Kinder und Familien den tatsächlichen Bedarfen der Zielgruppe? Dazu wurden junge Familien im Sozialraum Türnich/Balkhausen/Brüggen in den Blick genommen. Die Ergebnisse der Datenerhebung wurden in einem umfangreichen Abschlussbericht gebündelt. Gleichwohl sieht Kerpen die Präventionsarbeit als nie abgeschlossene Daueraufgabe einer Kommune. Perle des Monitoringprojekts war die Auswertung der Babybegrüßungsbesuche, für die unter anderem ein Fragebogen entwickelt wurde. Dieser lieferte wichtige Erkenntnisse über die Wirksamkeit des Angebots, das nun ausgebaut werden soll. 90 Prozent der Familien mit Baby wurden erreicht: ein voller Erfolg.

Kostbarkeit aus Nettetal: Der Fragebogen Armutssensibilität

Nettetal setzte den Schwerpunkt auf die Armutssensibilisierung der Multiplikator*innen aus der lokalen Netzwerklandschaft. Mit zahlreichen Aktivitäten, darunter Workshops, einer Fachkonferenz, der Erstellung einer Handreichung und kontinuierlicher Pressearbeit sensibilisierte das Jugendamt intensiv für Kinderarmut. Der im Anschluss an die Aktivitäten entwickelte Fragebogen zielte darauf ab, Effekte auf das Faktenwissen und die Wahrnehmung von Kinderarmut auf das Handeln der Teilnehmenden zu ermitteln. Die Ergebnisse fielen überwiegend sehr positiv aus. Eine Erkenntnis ist, dass der Aktivitäten-Mix und die kontinuierlichen Impulssetzungen über einen längeren Zeitraum sehr hilfreich waren. "Das breite Spektrum der Module zur Armutssensibilisierung hilft mir in meinen Beratungen", bestätigt eine Fachkraft aus Nettetal. "Seit der Teilnahme an den Veranstaltungen gehe ich in Gesprächen viel sensibler mit den von Armut betroffenen Familien um."

Weniger ist mehr

Den drei Kommunen ist es gelungen, eigene, praxisnahe und wirkungsorientierte Monitoringinstrumente zu entwickeln, die zur künftigen Ausgestaltung der Präventionsketten genutzt werden können. Einen Anspruch auf Repräsentativität oder Flächendeckung haben sie nicht. Untersuchungen mit einzelnen Indikatoren in kleinen Sozialräumen lieferten die besten Ergebnisse. Als große Herausforderung wurde das Projekt vor dem Hintergrund von wechselnden politischen Strömungen, Veränderungen in der Trägerlandschaft und Personalwechsel wahrgenommen.

Ziel des Praxisentwicklungsprozesses war die Planung und Ausgestaltung der Präventionskette auf Basis der Monitoring-Ergebnisse. Erste nachhaltige Entwicklungen sind bereits im Gange: Nettetal hat die Ergebnisse des Fragebogens zur Armutssensibilität im Jugendhilfeausschuss vorgestellt, worauf hin dem Familienbüro fünf weitere Stunden wöchentlich für das Thema Kinderarmut zur Verfügung gestellt wurden. Bergheim will die Ergebnisse des Monitorings sowie eine sich daraus ergebende Handlungsempfehlung der Politik vorstellen. Die Datengewinnung und -auswertung in weiteren Stadtteilen ist angedacht. Zudem soll eine integrierte Jugendhilfe und Schulentwicklungsplanung starten. In Kerpen steht der Ausbau und die Weiterentwicklung der Netzwerkarbeit künftig im Vordergrund. Statistische Daten mit Fokus auf Indikatoren für Kinderarmutsrisiken sollen fortgeschrieben und qualitative Erhebungen weiterentwickelt werden. Die Netzwerkarbeit soll auf Sozialräume mit besonderem Handlungsbedarf ausgeweitet werden. An den Ergebnissen des Projekts "Monitoring kommunaler Präventionsketten" wurde bereits mehrfach Interesse bekundet, und das bundesweit. Die drei Kommunen haben es in der Hand, wie sie ihre Schätze künftig einsetzen.

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Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen geht uns gleichermaßen an

Referenten Dr. Axel Iseke und Alexander Mavroudis
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Dr. Axel Isecke, Landeszentrum Gesundheit NRW und Alexander Mavroudis, LVR-Landesjugendamt

Zwei Netzwerktagungen am 3. und 10. September 2019 auf dem Gesundheitscampus Bochum geben Akteuren aus Gesundheitsämtern und Jugendämtern neue Impulse für die Zusammenarbeit

Von Natalie Deissler-Hesse

Schokobrötchen oder Kekse sind meist in Tims Frühstücksdose. Bei der zahnärztlichen Untersuchung in der Kita stellt der Arzt fest, dass Tims Zähne stark kariös sind. Außerdem fällt ihm auf, dass der Fünfjährige sehr müde und unbeteiligt wirkt. Tims Erzieherin bestätigt diese Beobachtung aus dem Kita-Alltag. In einem gemeinsam anberaumten Gespräch überlegen Tims Mutter, seine Erzieherin und je ein Mitarbeiter des Jugend- und Gesundheitsamts, wie der Junge am besten unterstützt werden kann. Tims Mutter ist sehr zufrieden: Sie bekommt Tipps in Ernährungsfragen und erhält Bewegungsangebote für ihren Sohn. Für die beteiligten Fachkräfte ist das Gespräch Anlass, über eine Weiterentwicklung der Angebote zur Gesundheitsförderung in den Kitas, aber auch in anderen Bildungseinrichtungen wie Schule und Jugendarbeit zu beraten. So oder so ähnlich könnte eine konstruktive Zusammenarbeit von Gesundheitssystem und Jugendhilfe aussehen, die die Landesjugendämter Rheinland und Westfalen mit dem Landeszentrum Gesundheit NRW stärken wollen. Bei den gemeinsam ins Leben gerufenen Tagungen unter dem Titel "Kooperation stärken: Netzwerktagung für Jugendämter und Gesundheitsämter" tauschten sich Ämtertandems aus Kommunen und Regionen im Rheinland (03.09.2019) und in Westfalen (10.09.2019) aus. Auf dem Gesundheitscampus in Bochum wurde ein Forum geschaffen, bei dem die Teilnehmenden einander besser kennenlernten konnten, sich fachlich austauschten und gemeinsam Ziele, Inhalte und Vorteile einer Zusammenarbeit berieten. "Voneinander lernen, Konkurrenz minimieren, Synergien optimieren," brachte Christoph Gilles vom LVR-Landesjugendamt Rheinland das Anliegen der Veranstalterrunde auf den Punkt. Dass die Tagungsplätze trotz Ferienzeit schnell überbucht waren, macht deutlich, wie wichtig die Thematik und wie groß der Bedarf nach Austausch ist.

Netzwerkaufbau und Intensivierung vorhandener Kontakte

Kontakte knüpfen und sich persönlich vernetzen sind wichtige erste Schritte, um in die inhaltliche Diskussion einzusteigen. Die Ämtertandems erhielten die Möglichkeit, sich intensiv mit ihren Partnern auszutauschen und ihre Ämterkolleg*innen besser kennenzulernen. "Wir haben die gemeinsame Zeit fernab vom Berufsalltag genutzt, um darüber zu sprechen, wie wir unsere Kooperation verbessern und vertiefen können," berichtete eine Fachkraft aus der Jugendhilfe. Ihre Kollegin freute sich über eine intensive inhaltliche Annährung an ihre Tandempartnerin aus dem Gesundheitswesen. "Wir hatten die Gelegenheit, uns konkret darüber auszutauschen, was funktioniert und was nicht." Ein Jugendhilfeplaner bemerkte, er habe "wichtige Kontakte geknüpft". Die Teilnehmenden äußerten den Wunsch nach Unterstützung von vergleichbaren Vernetzungstagungen für die Akteure vor Ort in den Kommunen und Regionen – damit diejenigen miteinander ins Gespräch kommen, die tagtäglich mit den gleichen Kindern und Jugendlichen zu tun haben.

Eine gemeinsame Sprache sprechen

Eine gemeinsame Sprache zu finden, war eine der Herausforderungen, an die sich die Teilnehmenden behutsam herantasteten. Wer nach Unterschieden bei Deutungsmustern und Herangehensweise von Gesundheitswesen und Jugendhilfe sucht, wird schnell fündig. Ein Lexikon sei nötig, um einander besser zu verstehen, warf eine Teilnehmerin scherzhaft ein. Professionelle Wahrnehmungs- und Handlungsschemata sind bei den handelnden Akteuren in beiden Politikfeldern fest etabliert. Differierende Verständnisse und Begrifflichkeiten produzieren unterschiedliche Angebote und Programme, die sich im ungünstigsten Fall widersprechen können. So augenscheinlich die Gegensätze von Gesundheitswesen und Jugendhilfe, so unbemerkt sind oft Gemeinsamkeiten. Dr. Axel Iseke vom Landeszentrum Gesundheit NRW warb für gegenseitiges Verständnis. "Gelingendes Aufwachsen bei gesundheitlichem Wohlbefinden", brachte er die Gemeinsamkeit von Jugendhilfe und Gesundheitswesen auf eine Formel. Es müsse aus ärztlicher Sicht die Einsicht herrschen, dass Gesundheit viel mehr sei als die Abwesenheit von Krankheit oder das Schweigen der Organe. "Gesundheit ist ein wesentliches Fundament der Gesellschaft."

"Wir fangen nicht bei null an"

Schrittweise aufgebaute, funktionierende Kooperationen zwischen Gesundheits- und Jugendamt können schnell selbstverständlich erscheinen oder werden von den Beteiligten nicht mehr bewusst wahrgenommen. Auf den Tagungen wurde der langjährige Einsatz der Akteure immer wieder sichtbar: Die gut besuchte Sprechstunde der Jugendhilfe in einer Arztpraxis, der etablierte Lotsendienst einer Familienhebamme in einer Geburtsklinik oder ganz allgemein die zunehmende Anerkennung der Leistungen der Frühen Hilfen im Gesundheitssystem. "Wir fangen nicht bei null an", hielt Alexander Mavroudis vom LVR-Landesjugendamt Rheinland fest – eine Einschätzung, die auch Dr. Monika Weber vom LWL-Landesjugendamt Westfalen bestätigte. Auch eine Jugendhilfeplanerin meinte: "Mir ist durch die Tagung klargeworden, dass die Kooperation von Gesundheitsamt und Jugendamt in unserer Kommune sehr gut läuft."

Zusammenarbeit ist unverzichtbar

Auf den Tagungen wurde deutlich, dass die Zusammenarbeit der Akteure aus beiden Politikfelder bei Projekten und Maßnahmen, die die Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen betreffen, unverzichtbar ist. "Man sieht das Kind ja nur in der Vorsorge", so eine Ärztin vom Kinder- und Jugendärztlichen Gesundheitsdienst, "das Sozialverhalten wird nicht angeschaut." Mit Blick auf ein Kooperationsprojekt von Krankenkassen und Gesundheitsamt zur Verbesserung der gesundheitlichen Situation von Kindern eines Stadtteils bemerkte sie: "Eigentlich sind wir in Sachen Prävention schon sehr weit, aber die Jugendhilfe fehlt. Es wäre gut, das Projekt auf andere Stadtteile auszuweiten – mit der Jugendhilfe als wichtiger Säule."

Den Veranstaltern haben die Teilnehmenden eine ganze Reihe an Wünschen ins "Hausaufgabenheft" geschrieben. Ein Thema war zum Beispiel die Unterstützung von vergleichbaren Vernetzungstagungen für die Akteure vor Ort in den Kommunen und Regionen – damit diejenigen miteinander ins Gespräch kommen, die tagtäglich mit den gleichen Kindern und Jugendlichen zu tun haben.

Ideen sprudeln

Durch Vorträge und Foren zu erfolgreichen Kooperationsprojekten gelang es der Tagung, neue Impulse für die Zusammenarbeit zu setzen, ein gegenseitiges Verständnis zu fördern, aber auch gemeinsame Erfolge ans Tageslicht zu bringen. "Ich habe einen Motivationsschub erhalten, die Vernetzung weiter voranzutreiben", resümiert ein Teilnehmer aus der Jugendhilfe. "Mir ist klargeworden, dass Jugendamt und Gesundheitsamt Hand in Hand arbeiten müssen", so das Fazit einer anderen Fachkraft, "durch die Vorträge habe ich ein besseres Verständnis für das andere System gewonnen." Die konkreten Ideen der Teilnehmenden für die zukünftige Zusammenarbeit reichten von einer gemeinsamen Sprechstunde in den Stadtteilen über Arbeitsgruppen zu bestimmten Themen bis hin zur Entwicklung einer gemeinsamen Gesundheits-Checkliste. Die Teilnehmenden vereinte der Wunsch nach einer stärkeren Annährung von Gesundheitswesen und Jugendhilfe. "Wir sollten gemeinsam definieren, was gesundes Aufwachsen ist", forderte eine Ärztin. Eine Fachkraft aus der Jugendförderung sprach allgemein von erwünschten "Interdisziplinären beziehungsweise multiprofessionellen Räumen."

Trotz unterschiedlicher Handlungsfelder und Prioritäten waren sich die Teilnehmenden einig, dass das Kind im Mittelpunkt steht. Denn letztendlich haben der pathologische Befund des Kinder- und Jugendärztlichen Gesundheitsdienstes und die pädagogische Perspektive einer Fachkraft der Jugendhilfe eines gemeinsam: das Kindeswohl.

Tims Mutter wird das freuen.

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Themenheft "Kinderarmut und frühkindliche Bildung" veröffentlicht

Die LVR-Koordinationsstelle Kinderarmut und die LVR-Fachberatung Jugendhilfeplanung haben eine Veröffentlichungsreihe mit Informationen aus dem aktuellen Forschungsstand zum Thema "Kinderarmut und gelingende Teilhabe" ins Leben gerufen. Das Themenheft "Kinderarmut und frühkindliche Bildung" ist das erste Schwerpunktheft. Es stellt dar, welche Maßnahmen in Präventionsketten in der Lebensphase der frühen Bildung besonders wirksam sind. Das Themenheft will einen kurzen, prägnanten Überblick über aktuelle Studien und ausgewählte Forschungsergebnisse geben. Der Umfang und die Komplexität der wissenschaftlichen Erkenntnisse können und sollen nicht widergegeben werden. So kommen zum Beispiel einzelne Studien zu unterschiedlichen Befunden und/oder Interpretationen von Forschungszahlen. Das Themenheft bietet hier einen Überblick und soll die notwendige vertiefende Auseinandersetzung mit der Frage der Wirkung frühkindlicher Bildung in Ihrer Kommune unterstützen – ersetzt sie aber nicht. Die Broschüre kann gerne an die mit den Themen Planung, Monitoring, Prävention und frühkindliche Bildung befassten Stellen weitergeleitet werden.

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Neuer Newsletter der LVR-Koordinationsstelle Kinderarmut

Ab sofort ist der neue Newsletter der LVR-Koordinationsstelle Kinderarmut rund um die Themen Kinder- und Jugendarmut, Frühe Hilfen und Netzwerkarbeit verfügbar.

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10 Jahre LVR-Koordinationsstelle Kinderarmut

Die Broschüre bietet einen kompakten Überblick über Aktivitäten, erreichte Meilensteine und Erfolge und damit zugleich einen aktuellen Zwischenstand zur Arbeit der Koordinationsstelle Kinderarmut

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LVR-Landesjugendhilfeausschuss Rheinland verabschiedet sozialpolitisches Impulspapier „Kinderarmut – eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung“

Die Armut von Kindern und Jugendlichen und die damit einhergehenden Gefahren für ein gelingendes Aufwachsen stellen eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen dar. Das Ziel muss deshalb sein, sowohl die Ursachen von Armutslagen zu bekämpfen als auch der durch Armut verursachten eingeschränkten Teilhabe von Kindern und Jugendlichen an Bildung, Gesundheit, Kultur und sozialem Leben zu begegnen. Um den fachlichen Diskurs auf allen Handlungsebenen anzustoßen, hat der LVR-Landesjugendhilfeausschuss Rheinland am 29.11.2018 das Impulspapier „Kinder- und Jugendarmut begegnen: Kommunen, das Land NRW und der Bund sind gefordert“ verabschiedet.

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Ältere Meldungen

Weitere Informationen aus der Koordinationsstelle Kinderarmut finden Sie auf unserer Archivseite

Archiv älterer Meldungen aus der Koordinationsstelle Kinderarmut

Frühjahrsakademie 2018 "Stadtentwicklung und Sozialpolitik im Blick der Präventionskette"

Die diesjährige Frühjahrsakademie der LVR-Koordinationsstelle Kinderarmut und der Landeskoordinierungsstelle "Kommunale Präventionsketten" fand am 7. und 8. Juni 2018 in Oberhausen statt. Am ersten Tag stand die Verbindung von "Stadtentwicklung und Präventionsketten" im Mittelpunkt. Am zweiten Tag wurde der sozialpolitische Blick auf Kinder- und Jugendarmut gerichtet. Der beiliegende Artikel blickt zurück und bietet einige interessante fachliche Impressionen. Weitere Materialien (Präsentationen, Videosequenzen und mehr) sind abrufbar unter:

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Im Sommer 2015 erschien der Jugendhilfereport zu dem Thema "Netzwerkmanagement, Präventionsketten und Steuerung". Die Koordinationsstelle Kinderarmut hat dieses Schwerpunktheft gestaltet. Alle Artikel aus diesem Schwerpunktheft können hier heruntergeladen werden.

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