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Voerde setzt Kinderarmut auf die Agenda

Aus einer Fachtagung entstehen zahlreiche Projektideen

Teilnehmer, Fachtag Kinderarmut
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Rege Teilnahme am Fachtag Kinderarmut in Voerde

Voerde will gezielt gegen Kinderarmut vorgehen. Seit der gemeinsamen Sitzung des Jugendhilfe- und Sozialausschusses im September vergangenen Jahres hat die Kommune das Thema verstärkt in den Blick genommen. Die Fachtagung mit dem Thema "Aktiv gegen Kinderarmut – Teilhabe ermöglichen" hat nun die wichtigsten Akteure an einen Tisch gebracht. Gemeinsam erarbeiteten die Tagungsteilnehmenden einen Strauß bunter Präventionsideen, die im nächsten Jugendhilfeausschuss vorgestellt und in konkrete Angebote und Initiativen münden sollen.

Der Zeitpunkt könnte passender nicht sein: Kurz vor dem Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut am 17. Oktober setzt die Stadt ein Zeichen. Nach einem fachlichen Einstieg in das Thema Kinderarmut bündelten am 4. Oktober rund 50 Akteure aus der örtlichen Kinder- und Jugendhilfe ihre Überlegungen zum gelingenden Aufwachsen in Voerde. Ergebnis waren zahlreiche Projektideen für mehr Teilhabe von Kindern und Jugendlichen. Viele Hilfsangebote in Voerde sind bereits gut angelaufen. Das Café Kömmchen, eine in einem Kaufhaus installierte Beratungsecke für Flüchtlinge, Arbeitslose, Schuldner und andere Bedarfsgruppen ist nur ein Beispiel. Mit Unterstützung der Koordinationsstelle Kinderarmut des LVR (Landschaftsverband Rheinland) treibt die Kommune Ausbau und Vernetzung ihrer Präventionskette kontinuierlich voran. Diese erstreckt sich von der Lebensphase der Schwangerschaft über Kindheit und Jugend bis hin zum gelingenden Übergang in Ausbildung, Beruf und ein selbstbestimmtes Leben. Seit Anfang 2017 begleitet die LVR-Koordinationsstelle die Stadt bei ihrem Bestreben, für Kinderarmut zu sensibilisieren. Die aktuelle Fachtagung zu diesem Thema in Zusammenarbeit mit dem LVR ist nach der Ausschusssitzung im vergangenen Jahr bereits der zweite Schritt. In seiner Begrüßungsrede wertete Bürgermeister Dirk Haarmann Kinderarmut als „ernstzunehmendes Thema einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung“. Armut äußere sich als vielschichtiges Problem, von dem geringes Einkommen nur ein Teilaspekt sei. Haarmann sprach sich in diesem Zusammenhang insbesondere für eine intensive Netzwerkarbeit aus.

Armut als Dauerzustand erfordert kommunales Handeln

Wie sich Armut auf die Entwicklung von Kindern auswirkt, erläuterte Referentin Nora Jehles vom Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung in ihrem Vortrag. Anhand der Statistik der Bundesagentur für Arbeit zeigte sie auf, dass knapp 60 Prozent der leistungsberechtigten Kinder in Deutschland drei Jahre und länger in Armut leben. Armut müsse daher als Dauerzustand begriffen werden. Umso wichtiger sei es, das Thema anzugehen und Lösungen zu erarbeiten. Auf kommunaler Ebene könnten ein früher Kita-Beginn und eine bedarfsgerechte Sportförderung den Folgen der Kinderarmut entgegenwirken, so Jehles. In welchen Stadtteilen von Voerde sich konkret Armutsrisikofaktoren konzentrieren, zeigte die Jugendhilfeplanung des Fachdienstes Jugend anhand soziodemographischer Daten auf. Während einige Stadtteile verstärkt Armutsrisikofaktoren wie beispielsweise Migrationshintergrund oder die Inanspruchnahme von Hilfen zur Erziehung aufweisen, sind andere Stadtteile vergleichsweise unauffällig.

Geballte Kompetenz liefert Ideenpotpourri

Die Datenlage lieferte Anlass zu einem intensiven Austausch über die Potenziale der Stadt zur Armutsvermeidung. Die Teilnehmenden der Fachtagung suchten nach Lösungen, wie armutsgefährdete Familien besser erreicht werden oder welche städtischen Angebote noch ausgebaut werden könnten. Auch Förderungsmöglichkeiten im Kontext der Migration waren ein Schwerpunktthema. Zu den Anregungen der Gäste gehörten Schulmaterialbörsen, Sportgutscheine und eine bessere Vernetzung von Schulen und Kitas. Auch Wünsche nach einem Familienhilfeportal und einer Koordinationsstelle für das Ehrenamt wurden konkretisiert. Dezernent Lothar Mertens zeigte sich begeistert von der Ideenvielfalt und lobte diese als Ausdruck gebündelter Kompetenz. „Meine Erwartungen sind übererfüllt worden“, resümierte Mertens. „Wir haben nun eine sehr gute fachliche Plattform, auf die wir aufbauen können.“