Der LVR stellt sich seiner Geschichte

Verantwortung bedeutet, die eigene Vergangenheit offen zu erforschen, kritisch zu hinterfragen und sichtbar zu machen.

Außenansicht des LVR-Landeshauses. In den Fenstern oben spiegelt sich die Sonne.
Wenn wir uns mit unserer Geschichte auseinandersetzen, dann auch deswegen, damit wir als Verwaltung die Gegenwart und Zukunft unseres Verbandes mit Respekt vor den Menschen, für die wir arbeiten, gestalten können.
Platzhalter Bild für eine Ansprechperson.

Ulrike Lubek

LVR-Direktorin

Warum beschäftigt sich der LVR mit seiner Geschichte?

Die Wurzeln des heutigen LVR reichen bis in den Rheinischen Provinzialverband zurück. Daraus erwächst eine besondere Verantwortung: Auch schwierige Kapitel der eigenen Geschichte – insbesondere während des Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit – offen aufzuarbeiten.

Wissenschaftliche Forschung bildet die Grundlage der historischen Aufarbeitung. Der LVR hat seit den 1980er-Jahren zahlreiche Untersuchungen, Dokumentationen und Forschungsprojekte angestoßen oder unterstützt. Im Mittelpunkt standen und stehen dabei unter anderem die Rolle der rheinischen Landeskliniken während der NS-Zeit, die nationalsozialistischen Medizinverbrechen, Zwangssterilisationen und sogenannte "Euthanasie"-Verbrechen, aber auch Themen wie Zwangsarbeit, Heimerziehung in der Nachkriegszeit, Psychiatriegeschichte, Gehörlosenschulen sowie die personellen und institutionellen Kontinuitäten nach 1945.

Dabei geht es dem LVR nicht darum, Geschichte nur intern zu dokumentieren. Vielmehr werden externe Wissenschaftler*innen, Archive, Gedenkstätten und Forschungseinrichtungen einbezogen. Die Ergebnisse erscheinen in Studien, Tagungsbänden, Ausstellungen und digitalen Angeboten. So entsteht eine nachvollziehbare, quellenbasierte Grundlage, um die Verantwortung des LVR und seiner Vorgängerinstitutionen kritisch einzuordnen.

Historische Aufarbeitung braucht Orte und Rituale des Erinnerns. Der LVR erinnert an Menschen, die in Einrichtungen des früheren Rheinischen Provinzialverbandes und anderer Institutionen entrechtet, verfolgt, zwangssterilisiert, deportiert oder ermordet wurden. Ein sichtbares Zeichen ist das Denkmal der "Grauen Busse" vor dem LVR-Landeshaus in Köln-Deutz, das seit 2011 an die fast 10.000 Psychiatriepatientinnen und -patienten aus dem Rheinland erinnert, die während des Nationalsozialismus ermordet wurden.

Zum Gedenken gehören außerdem zentrale Veranstaltungen zum 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Auch die LVR-Kliniken führen vor Ort eigene Gedenkveranstaltungen durch. Darüber hinaus entstehen und bestehen Gedenkorte, Ausstellungen und digitale Erinnerungsprojekte – etwa das entstehende digitale Gedenkbuch für die Todesopfer der NS-Medizinverbrechen aus der ehemaligen Rheinprovinz.

Gedenken bedeutet dabei mehr als Rückblick. Es gibt den Opfern Namen, macht individuelle Schicksale sichtbar und verbindet die historische Verantwortung mit dem heutigen Einsatz für Menschenwürde, Demokratie und Vielfalt.

Die Ergebnisse historischer Forschung sollen nicht nur Fachkreise erreichen. Deshalb übersetzt der LVR Erkenntnisse in Bildungs- und Vermittlungsangebote für unterschiedliche Zielgruppen. Dazu zählen Publikationen, Ausstellungen, Vorträge, Medienpakete für Schüleri*nnen, digitale Angebote und Materialien für die schulische und außerschulische Bildungsarbeit. Auf der bestehenden Seite werden beispielsweise mehrere Medienpakete zur Geschichte der NS-"Euthanasie" im Rheinland genannt, darunter zu Patiententransporten, Kinder-"Euthanasie", jüdischen Psychiatriepatient*innen und dem Umgang mit Tätern.

Bildungsarbeit macht komplexe historische Zusammenhänge verständlich und zugänglich. Sie zeigt, wie Ausgrenzung, Entmenschlichung und institutionelles Handeln zusammenwirken konnten – und warum demokratische Werte, Teilhabe und Menschenrechte heute aktiv geschützt werden müssen. Gerade für junge Menschen bietet die Geschichte des LVR und seiner Vorgängerinstitutionen konkrete Anknüpfungspunkte: Sie spielt nicht an einem abstrakten Ort, sondern im Rheinland, in Einrichtungen, Verwaltungen und Lebensgeschichten vor Ort.

Der LVR macht seine historische Aufarbeitung öffentlich. Forschungsergebnisse werden nicht nur veröffentlicht, sondern auch in Tagungen, Vortragsreihen, Ausstellungen, Gedenkveranstaltungen und Kooperationen diskutiert. Die bestehende Chronologie zeigt eine große Bandbreite solcher Formate: von wissenschaftlichen Symposien und Ausstellungseröffnungen über Zeitzeugengespräche bis hin zu Kooperationen mit Universitäten, Museen, Gedenkstätten und zivilgesellschaftlichen Partnern.

Dieser öffentliche Dialog ist wichtig, weil Geschichte immer wieder neu befragt werden muss. Neue Quellen, neue Forschungsperspektiven und gesellschaftliche Debatten verändern den Blick auf die Vergangenheit. Indem der LVR seine eigene Geschichte sichtbar macht und zur Diskussion stellt, öffnet er Räume für Kritik, Erinnerung und gemeinsame Verantwortung.

So wird historische Aufarbeitung zu einem Bestandteil demokratischer Kultur: transparent, selbstkritisch und offen für unterschiedliche Perspektiven.

Meilensteine der Aufarbeitung

Seit den 1980er-Jahren setzt sich der LVR kontinuierlich mit der Geschichte seiner Vorgängerinstitutionen auseinander – wissenschaftlich, öffentlich und erinnerungskulturell.

Seit den 1980er-Jahren setzt sich der LVR mit der Geschichte seiner Vorgängerinstitutionen auseinander. Was mit ersten Fragen zur Rolle der rheinischen Landeskliniken in der NS-Zeit begann, entwickelte sich zu einer breiten Aufarbeitung: mit Forschung, Publikationen, Ausstellungen, Gedenkorten, Bildungsangeboten und digitalen Erinnerungsformaten. Die Jahrzehnte zeigen ausgewählte Stationen dieses Weges – und machen deutlich: Historische Verantwortung bleibt eine Gegenwartsaufgabe.

Ausblick: Geschichte bleibt Auftrag

Die Meilensteine zeigen: Die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte ist kein abgeschlossener Rückblick, sondern Teil der Verantwortung des LVR in der Gegenwart. Neue Forschungsfragen, digitale Formen des Erinnerns und der Dialog mit der Öffentlichkeit führen diese Arbeit fort. Aus historischer Aufarbeitung erwächst Haltung – für Menschenwürde, Teilhabe, Vielfalt und Demokratie.

Mehr zum Engagement des LVR für Demokratie

Wie der LVR Demokratie heute stärkt, zeigt die Seite "Demokratie stärken: Vielfalt leben". Dort bündelt der LVR Angebote und Aktivitäten rund um demokratisches Engagement, Teilhabe, Vielfalt und Inklusion.

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