Der Edith-Ennen-Wissenschaftspreis: Namensgeberin und Bedeutung
Der Edith-Ennen-Wissenschaftspreis des LVR wird grundsätzlich bereits seit 1956 vergeben – damals noch unter anderem Namen – und gehört somit zu den etabliertesten Auszeichnungen des LVR. Ursprünglich wurde er als Albert-Steeger-Preis verliehen, bis eine von uns in Auftrag gegebene Studie zeigte, dass die Distanz Steegers zum Nationalsozialismus nicht so groß war, wie bis dato in der Forschung angenommen. Die kritische Auseinandersetzung – auch mit unserer eigenen Geschichte – führte schnell zu der Entscheidung, den Preisnamen zu ändern. Deswegen trägt er seit 2024 den Namen der rheinländischen Pionierin im Bereich der Geschichtswissenschaften: Edith Ennen.
Dotierung und Kriterien
Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre an eine Person vergeben. Außerdem können Preis und Preisgeld auf zwei Personen aufgeteilt sowie auf das Folgejahr übertragen werden. Findet sich auch im Folgejahr keine geeignete Person, verfällt die Auszeichnung für den entsprechenden Vergabezeitraum.
Mit dem Preis möchten wir besonders qualifizierte Forschung sichtbar machen und würdigen. Wissenschaftliche Tiefe, gesellschaftliche Relevanz und kritische Reflexion stehen dabei im Vordergrund. Ausgezeichnet werden (auch interdisziplinäre) Arbeiten zu Themen der rheinischen Landeskunde im Bereich der Geistes- und Naturwissenschaften.
Dazu zählen insbesondere:
Geschichte (unter anderem Landes- und Regionalgeschichte)
Volkskunde / Empirische Kulturwissenschaft
Archäologie / Bodendenkmalpflege
Natur- und Landschaftsschutz
Sprach- und Literaturwissenschaft
Ausgenommen ist der Bereich der Kunstgeschichte, für den der LVR den Paul-Clemen-Preis auslobt.
Wer war Edith Ennen?
Edith Ennen war eine bedeutende deutsche Historikerin und Archivarin. Geboren 1907 in Merzig an der Saar, studierte sie Geschichte, Germanistik und Altphilologie in Freiburg, Berlin und Bonn. 1933 promovierte sie und begann anschließend eine Ausbildung zum höheren Archivdienst, bevor sie 1935 als wissenschaftliche Hilfskraft an die Universität Bonn zurückkehrte.
Von dem Zeitpunkt an widmete sie sich mittelalterlicher und neuer Stadtgeschichte mit besonderem Schwerpunkt auf das Rheinland und war unter anderem maßgeblich daran beteiligt, den Rheinischen Städteatlas zu entwickeln. In ihrer Forschung nahmen die Städte Köln und Bonn stets einen besonderen Stellenwert ein. Außerdem blieb sie bis ins hohe Alter offen für Neues und erschloss sich mit über 70 Jahren noch ein neues Forschungsfeld: die Geschichte der Frauen im Mittelalter.
Der Edith-Ennen-Wissenschaftspreis des LVR ist somit nicht nur eine Auszeichnung für herausragende Forschungsarbeit, sondern auch eine Würdigung einer außergewöhnlichen Wissenschaftlerin.