"Es geht darum, die Menschen so zu sehen wie sie sind."

In der täglichen Arbeit mit Menschen mit geistiger und psychischer Beeinträchtigung im Verbund für WohnenPlusLeben spielt das personenzentrierte Arbeiten eine zentrale Rolle.

Eine Klientin und ein Mitarbeiter in einer Wohneinrichtung des LVR-Verbunds WPL

Interview mit Heinz Becker, Experte für personenzentriertes Arbeiten

Heinz Becker ist bereits seit 2023 immer wieder für den Verbund für WohnenPlusLeben im Einsatz.

In bislang 24 Fortbildungsveranstaltungen konnte er bei den LVR-Mitarbeitenden wichtige Impulse setzen und Strategien an die Hand geben, um die Haltung des personzentrierten Arbeitens im Alltag mit Leben zu füllen.

Porträtfoto von Heinz Becker, Experte für personenzentriertes Arbeiten
"Personzentriertes Arbeiten bedeutet für mich Respekt und Menschenwürde."

Heinz Becker (Internationales Netzwerk Personenzentriertes Arbeiten)

Was bedeutet für Sie der Ansatz des personzentrierten Arbeitens nach Marlis Pörtner?

Der personzentrierte Ansatz stellt die Individualität und die Ressourcen der Menschen in den Mittelpunkt. Es geht darum, die Menschen so zu sehen, wie sie sind, und sie auf Augenhöhe zu begleiten. Gerade in sozialen Berufen ist das essenziell für eine wertschätzende und erfolgreiche Zusammenarbeit.

Inwiefern profitieren aus Ihrer Sicht Organisationen wie der LVR-Verbund WPL vom personzentrierten Arbeiten?

Zunächst verbessert sich die Lebensqualität der Kund*innen/Klient*innen. Strukturen und Angebotsformen sind wichtig, aber es sind die kleinen Dinge des Alltags, die Lebensqualität ausmachen: wie wir miteinander umgehen, wie der Alltag gestaltet ist. Und dort setzt personzentriertes Arbeiten an. Außerdem zeigt die Erfahrung, dass Mitarbeitende zufriedener sind und weniger Stress haben. Viele der destruktiven und sinnlosen Machtkämpfe entfallen, in denen Mitarbeitende glauben, etwas durchsetzen zu müssen, was die Kund*innen/Klient*innen nicht möchten.

Szene aus dem Film: Eine Frau sitzt am Tisch mit einer Kaffeetasse vor sich und schaut auf den Löffel in ihrer Hand

Wie kann sichergestellt werden, dass Mitarbeitende das personzentrierte Arbeiten als Haltung verstehen und leben?

Das ist die wichtigste Frage. Eine Haltung entsteht nicht durch einmaliges Lernen oder Anordnen, sondern ist ein fortlaufender Prozess. Personzentriertes Arbeiten muss immer wieder thematisiert werden. Unter anderem in regelmäßigen Dienstbesprechungen, aber auch in Form personzentrierter Führung, denn die Leitungsebene ist da Vorbild. Darüber hinaus kann die Beteiligung von Kund*innen/Klient*innen an der Weiterentwicklung der Angebote unterstützt werden, z. B. durch Fortbildungen für Nutzer*innen-Beiräte oder interessierte Kund*innen/Klient*innen.

Szene aus dem Film: zwei Klient*innen einer Wohneinrichtung im Gespräch

Wie Personzentriertes Arbeiten gelingen kann - ein Film des LVR

Der Film zeigt, wie diese Haltung im Arbeitsallltag von LVR-Mitarbeitenden umgesetzt werden kann. Alltagssituationen werden hierbei bewusst gegenübergestellt – einmal ohne, einmal mit personzentrierter Perspektive. So wird deutlich, wie bereits kleine Veränderungen einen großen Unterschied machen können – sowohl für die begleiteten Menschen als auch für die Mitarbeitenden.

Der Film orientiert sich am Konzept des personzentrierten Arbeitens nach der Schweizer Psychologin Marlis Pörtner und enthält zudem Eindrücke sowie Stimmen vom jährlichen Netzwerktreffen des Internationalen Netzwerks Personzentriertes Arbeiten.