Du bist gut genug: Bernd Hardegen über Vielfalt beim LVR

Seit fast 30 Jahren arbeitet Bernd Hardegen beim LVR. Sein Blick auf Vielfalt hat sich verändert. Heute weiß er: Vielfalt ist kein Selbstläufer.

Ein lächelnder Mann mit kurzem braun-grauem Bart steht im Freien vor einem unscharfen, grünen Hintergrund mit Bäumen. Er trägt eine leuchtend gelbe Schiebermütze und ein auffällig gemustertes Hemd in Türkis, Grün, Gelb und Schwarz. Eine Brille hängt am Ausschnitt seines Hemdes. Er blickt leicht seitlich an der Kamera vorbei.
Hier darfst du sein, wie du bist.
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Bernd Hardegen

Qualitätsmanager Wohnverbund für WohnenPlusLeben

Bernd Hardegen sagt diesen Satz mit einer Selbstverständlichkeit, die viel darüber verrät, was Vielfalt für ihn bedeutet. Kein leeres Versprechen oder abstrakte Definition, sondern etwas, das sich im Alltag zeigen und gelebt werden muss.

Hardegen ist Heilerziehungspfleger, arbeitet im Qualitätsmanagement der betreuten Wohnformen und engagiert sich im queeren Netzwerk des LVR. Seit fast 30 Jahren ist er beim Landschaftsverband Rheinland. Als er hier anfing, hatte Vielfalt für ihn zunächst vor allem eine Dimension.

Ohne Vielfalt? Ohne mich. Und du bist gut genug!

Im Video erzählt Bernd Hardegen, wie sich sein Blick auf Vielfalt verändert hat – und warum sie für ihn im Alltag immer wieder neu gelebt werden muss.

Ein Blick, der immer weiter geworden ist

Als Heilerziehungspfleger unterstützte Hardegen erwachsene Menschen mit kognitiven Einschränkungen im Alltag. Unterschiedliche Fähigkeiten, Bedürfnisse, Lebenswege – das war sein erster intensiver Berührungspunkt mit Vielfalt im Beruf.

Doch mit den Jahren wurde sein Blick weiter: Alter, Herkunft, Weltanschauung, sexuelle und geschlechtliche Identität, unterschiedliche Erfahrungen und Lebensentwürfe. All das macht Vielfalt aus.

Mein Blick auf Vielfalt ist vielfältiger geworden.
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Bernd Hardegen

Qualitätsmanager Wohnverbund für WohnenPlusLeben

Vielleicht liegt genau darin eine ihrer wichtigsten Eigenschaften: Wer Menschen wirklich begegnet, entdeckt immer neue Facetten. Und irgendwann wird aus der Frage, was Menschen voneinander unterscheidet, eine andere: Wie gelingt es, dass diese Unterschiede selbstverständlich sein dürfen?

Wenn niemand mehr fragt: "Wo kommst du eigentlich her?"

Für Hardegen zeigt sich gelebte Vielfalt nicht zuerst in Leitbildern oder Konzeptpapieren, sondern in den kleinen Momenten des Arbeitsalltags. Dann, wenn Herkunft nicht ungefragt zum Thema gemacht wird. Wenn niemand das Alter eines Menschen kommentiert oder wenn Unterschiede nicht ständig erklärt oder bewertet werden müssen, sondern wenn die gemeinsame Aufgabe im Mittelpunkt steht.

"Wenn es um die Sache geht und wir gemeinsam daran arbeiten.", erklärt der Heilerziehungspfleger. Vielfalt ist in diesem Verständnis gerade dann besonders spürbar, wenn sie nicht permanent benannt werden muss. Menschen arbeiten dann mit unterschiedlichen Biografien, Perspektiven und Identitäten ganz selbstverständlich zusammen. Und niemand muss zuerst beweisen, dass er oder sie dazugehört.

"Hier zählt der Mensch"

Auch queeren Menschen, die über eine Arbeit beim LVR nachdenken, möchte Hardegen deshalb vor allem eines sagen: "Hier darfst du sein, wie du bist." Im LVR habe man automatisch zahlreiche Verbündete, sogenannte Allies, die verschiedenste Vielfaltsdimensionen unterstützen. Dabei gilt der Claim des LVR selbstverständlich nicht nur nach außen, sondern auch nach innen in Richtung der eigenen Mitarbeitenden: "Qualität für Menschen".

Doch an dieser Stelle verändert sich sein Ton. Denn was lange selbstverständlich erschien, ist zunehmend in Gefahr.

Eine Selbstverständlichkeit, die verteidigt werden muss

Hardegen mahnt: "Vielfalt ist kein Selbstläufer." Denn für ihn reicht es nicht, Vielfalt als selbstverständlich anzusehen. Denn Selbstverständlichkeiten können verloren gehen. Sein zentraler Gedanke lautet deshalb: "Vielfalt ist kein Selbstläufer."

Was erreicht wurde, muss im Alltag immer wieder bestätigt werden – durch Entscheidungen, Strukturen und Menschen, die für Offenheit und Teilhabe einstehen.

Nach fast 30 Jahren beim LVR ist sein Wunsch für die Zukunft deshalb zugleich zurückhaltend und anspruchsvoll: Bewahren, was bereits selbstverständlich geworden ist. Und von dort aus weiterdenken. Denn Vielfalt ist kein Ziel, das irgendwann erreicht ist. Sie bleibt eine Aufgabe.

Fünf Personen gehen gemeinsam durch einen grünen Park unter großen Bäumen, eine Person nutzt einen Rollstuhl.
Weitere Allies im LVR: In dieser Beitragsreihe erzählen fünf Mitarbeitende des LVR aus ihrer Perspektive heraus, was Vielfalt für sie im LVR bedeutet.